Eine lange Nacht bei der Tiomila

Wie schon in meinem letzten Artikel geschrieben, habe ich es geschafft mich für die vierte und längste Strecke der Tiomila für Halden SK 2 zu qualifizieren. Wie es mir auf dieser „långa natten“ ergangen ist und was man sonst noch bei der Tiomila erlebt, werde ich in diesem Artikel versuchen zu beschreiben. Um wirklich zu verstehen was es heißt über die „lange Nacht“ oder überhaupt bei der Tiomila am Start zu stehen, muss man selbst mal mitgelaufen sein. Beschreiben kann man nicht alles was einem dort nachts, im Wald durch den Kopf und Körper geht. Aber ich versuche euch mit dem Artikel mal einen Eindruck in das Erlebnis eines Tiomilaläufers zu verschaffen.

Für die meisten Elite Läufer der ersten zwei Haldener Teams ging es bereits am Mittwoch Richtung Stockholm um sich auf das Gelände einzustellen und noch das ein oder andere Training dort zu machen. Ich reiste erst am Freitag mit einem Reisebus zusammen mit den Jugendlichen der „ungdoms Tiomila“ (Jugend Tiomila) aus Halden nach Stockholm. An dem Abend ging es wie auch bereits einige Abende vorher in Halden, erst relativ spät ins Bett, um sich an die späte Wettkampfzeit zu gewöhnen. Dementsprechend wurde natürlich auch bis um 10 Uhr ausgeschlafen.

Start der Jugend Tiomila mit Gina Granstedt (rechts) für den Halden SK

Start der Jugend Tiomila mit Gina Granstedt (rechts) für den Halden SK

Die Haldener Jugend war bereits am Wettkampfort als ich aufwachte, denn für sie begann der Wettkampf um 11 Uhr. Gut gefrühstückt und ausgeschlafen wechselte ich nun das Hotel. Ich wurde in das Hotel der Haldener Eliteläufer gefahren wo für mich ein Zimmer bereit stand, indem es nun galt sich möglichst gut für die kommende Nacht zu erholen. Im Live web-tv verfolgten wir vom Bett aus und beim Mittagessen die spannende Jugendstaffel. Die Haldener Jungs und Mädels machten einen guten Job und die Hoffnung und Chancen auf den Sieg waren groß. Leider unterlief dem Schlussläufer ein 2 min. Fehler kurz vor dem Ziel und die Staffel lief als 5. über die Ziellinie.
Hier die Fernsehnzusammenfassung der Jugend Tiomila

Die Haldener Frauen laufen mit Schlussläuferin Mari fasting auf einen zweiten Rang

Die Haldener Frauen laufen mit Schlussläuferin Mari fasting auf einen zweiten Rang

Der nächste Programmpunkt war die Frauen Tiomila. Der Massenstart erfolgte um 14:30 Uhr und Halden ging als großer Favorit ins Rennen. Natürlich verfolgten wir auch dieses Rennen zunächst vom Hotel aus und bereits nach der ersten Läuferin lag Halden in Führung. Zwischndrin fuhr ich mit einigen der Elite Läufer zum Wettkampfzentrum um unsere Frauen anzufeuern und sich einen Überblick über das Start und Zielgelände zu verschaffen. Doch blieben wir nicht lange dort, sondern fuhren schon bald wieder in unser Hotel zurück. Eigentlich schade, dass wir bei so wunderbarem Wetter „gezwungen“ ist den ganzen Tag im Bett zu liegen und haufenweise Essen in sich herrein zu schieben (Das Essen im Hotel war allerdings spitzenmäßig!). Leider hielten unsere Frauen ihre Führung nicht und mussten sich geschlagen von Domnavets GOIF mit dem 2. Rang zufrieden geben.

Hier die Zusammenfassung der Damen

Alles steht bereit für meinen Einsatz. Jetzt gehts schlafen.

Alles steht bereit für meinen Einsatz. Jetzt geht’s schlafen.

Für uns wurde es langsam ernst. Massenstart der Herren Tiomila war um 22:15. Davon bekam ich allerdings gar nichts mit. Für mich wie auch die anderen Nachtläufer, wie z.B. mein Zimmerkollege und „lang natta“ Läufer der ersten Haldener Manschaft, Espen Fiskum, ging es gegen 18 Uhr noch ein letztes mal Schlafen.

Der Weck und Abfahrtszeitenzettel in unserem Hotel

Der Weck und Abfahrtszeitenzettel in unserem Hotel

Sowohl Espen als auch ich waren ziemlich aufgeregt und schafften es nicht so wirklich gut und tief zu schlafen. Dennoch verging die Zeit wie im Flug und um 22:30 Uhr klopfte der Weckdienst bei uns an der Tür. Nun ging es also los. Draußen war es dunkel. Die Nacht hat begonnen. Ich war erholt, ausgeschlafen und fühlte mich in einer guten Form. Bevor es los zum Wettkampfgebiet ging wurde uns noch mitgeteilt wie unsere Staffeln liegen.

Jonas Nordström erbrachte für Halden SK 2 eine super Leistung auf der Startstrecke

Jonas Nordström erbrachte für Halden SK 2 eine super Leistung auf der Startstrecke

Halden 2 mit in der Führungstram und Halden 1 ein paar wenige Minuten dahinter.
Nun kamen Espen und ich auf die Zielwiese und wir wurde sofort auf den aktuellen Stand der Dinge gebracht. Über zwei große Leinwände wurde die Staffel live übertragen und teilweise bereits GPS tracks der ersten Läufer gezeigt. Viel Zeit bis zu unserem Start hatten wir nicht. Es wurde sich fertig umgezogen und schon bald warm gelaufen. Als die dritten Läufer in den Wald gingen, sah die Ausgangssituation für Espen und mich sehr gut aus. Beide dritten Läufer liefen direkt zusammen und befanden sich in der Verfolgertram welche sich nur wenige Minuten hinter der Spitze befand. Für HSK 2 hatte Jonas Nordström einen super Start hingelegt, der erfahrene und 8 facher Tiomila Sieger Tore Sandvik hielt die Position und unser dritter Läufer Joacim Carlsson biss sich lange an den Waden von Erik Axelsson (3. Läufer für HSK 1) fest. Tore Sandvik der gleichzeitig als Herrentrainer mit war gab Espen und mir noch die letzten Hinweise und Tips für unsere 18km ungegabelte Nacht-bahn. Auf den letzten Kilometern musste Joacim Erik und seine Tram laufen lassen, was zur Folge hatte, dass ich gegen 1:35 Uhr mit einigen Minuten Rückstand auf unser erstes Team in einer großen Gruppe ins Rennen ging.

Beeindruckend wie knappe 350 Läufer nachts mit voller Fahrt von der Startwiese in den Wald rennen

Beeindruckend wie knappe 350 Läufer nachts mit voller Fahrt von der Startwiese in den Wald rennen

Wie das Rennen verlief habe ich in meinem Trainingstagebuch beschrieben. Dort findet man außerdem sowohl die riesen A2 (!) Karte als auch Zwischenzeiten und GPS-Track. Einfach hier klicken und durchlesen

Emil Wingstedt lief ein starkes Rennen und hielt den Vorsprung auf Kalevan Rasti als es langsam hell wurde

Emil Wingstedt lief ein starkes Rennen und hielt den Vorsprung auf Kalevan Rasti als es langsam hell wurde

Wie man dort lesen kann war es also ein sehr schnelles, nicht optimales aber erlebnissreiches Rennen.  Gegen 3:30 Uhr lief ich im Ziel ein und wechselte auf unseren jüngsten Staffelläufer Håkon Raadal Bjørlo. Im Zelt von Halden wurden wir mit Essen und Trinken verpflegt und konnten etwas zur Ruhe kommen. Hier traf ich auch auf Espen dessen großes Grinsen mir sagte, dass es bei ihm ganz gut lief. So war es auch. Er lief ein spitzen rennen und schaffte es unser erstes Team wieder an die Spitze zu bringen. Dort lief nun Mattias Karlsson der es schaffte sich von der Spitzengruppe loszureißen und mit über 2min. Vorsprung zu wechseln. Unser Plan schien vollkommen aufzugehen. Die weiteren Läufer liefen alle ein sicheres Rennen und konnten auf die Verfolgerstaffel Kalevan Rasti aus Finland über 3min. rauslaufen. Doch auch die Läufer für das zweite Team machten ihren Job. Der 35. Platz von mir wurde von Håkon gehalten und auch die weiteren Läufer verloren kaum Plätze. Leider verlor unser Schlussläufer Aapo Summanen nochmal ein paar Minuten und wir endeten auf einem guten 41. Rang von den knapp 350 Staffeln. Für Halden 1 wurde es auf der Schlussetappe nochmal spannend. Für Halden lief Langdistanz Weltmeister Olav Lundanes mit guten 2 min. Vorsprung auf den ebenfalls mehrfachen Weltmeister Thierry Gueorgiou für Kalevan Rasti. Es war bereits nach wenigen Kilometern deutlich zu sehen, dass Thierry ein höheres Tempo als Olav ging und Meter für Meter gut machte. Doch hofften wir trotzdem noch alle, das Olav den Sieg nach Hause laufen würde. „Leider“ präsentierte Thierry sich in einer spitzenfrom und lief ein saustarkes Rennen bei dem er kurz vor dem Ziel Olav im Wald stehen ließ. Vermutlich war Olav noch etwas angeschlagen von seiner nicht ganz Krankheitsfreien Trainingszeit der letzten Monate. Somit hieß es mal wieder Platz 2 für Halden.

Und jetzt noch die Zusammenfassung der Herren Tiomila

Kalevan Rasti feiert Schlussläufer

Kalevan Rasti feiert Schlussläufer Thierry Gueorgiou

und Halden zeigt sich nicht ganz zufrieden mit Silber

und Halden zeigt sich nicht ganz zufrieden mit Silber

Doch auch ohne Sieg waren wir mit der Teamleistung zufrieden und es wurde niemandem ein Vorwurf gemacht. Auch wenn kein Sieg dabei war konnten wir bei allen drei Staffeln um den Sieg mitlaufen, was doch auch ein Grund ist mit dem Ergebnis zufrieden zu sein.

Neben den zahlreichen Artikeln über die Tiomila in der Zeitung gab es auch einen Artikel über die Nachwuchshoffnungen für die zukünftige erste Haldener Manschaft

Neben den zahlreichen Zeitungsartikeln über die Tiomila, gab es auch einen Artikel über die Nachwuchshoffnungen für die zukünftige erste Haldener Manschaft

Wie man aus meinen Erzählungen vielleicht mitbekommt, habe ich wie auch die meisten anderen Nachtläufer nach dem Lauf das Rennen ganz genau weiter vefolgt. An Schlafen dachte keiner. Es war 4 Uhr in der Nacht und es gab in dem Moment nichts normaleres als vor der großen Leinwand das Rennen zu verfolgen (Artikelbild ganz oben), bis schließlich die Sonne aufging und gegen halb 9 die ersten Staffeln ins Ziel liefen.
Bis wir wieder zu Hause in Halden waren dauerte es noch eine Weile. Eine lange Busfahrt viel Stau und Verkehr führten dazu, dass wir erst kurz vor Mitternach wieder in Halden waren. Die Rückfahrt war die Hölle. Tierische Schmerzen in Knien und Oberschenkeln die mich nicht einschlafen ließen. Nachdem ich nun knappe 2 Stunden in der Nacht im höchsten Tempo durch den Wald gerannt bin und insgesamt über 26 Stunden am Stück wach war, viel ich zu Hause nur noch ins Bett und war froh, dass Montag für mich nicht bedeutet, dass ich frühs um 8 an der Schule, Uni oder Arbeit erscheinen musste… 😉
Somit war die Tiomila vermutlich die längste und anstrengendste Nacht meines bisherigen Lebens. Aber auf jeden Fall mit eine der schönsten, spannendsten und erlebnisreichsten.

Sehr zu empfehlen ist auch ein Beitrag von World of O über die vielen Fehler die bei der Tiomila gemacht wurden! Teilweise sehr amüsant. Einfach mal hier reinklicken 😉
(Dort finden sich auch die GPS Tracks aller anderen Strecken)
Eine Gesamtergebnisliste findet sich hier!

Mitlerweile bin ich wieder gut erholt und freue mich auf das Kommende. Am Wochenende wird Olavs (Das älteste der Au-Pair Kindern) Konfirmation gefeiert, dann geht es nochmal zum Trainingslager nach Tschechien und in drei Wochen steht bereits die norwegische Sprint-OL Meisterschaft an. Ich freue mich schon sehr und bin gespannt auf das was kommen wird.

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