Ein Tag – 400km auf dem Rad !

Das Projekt „Papstdorf → Nieste“ fand am Donnerstag den 19.Juli 2012 statt. Das Projekt bestand darin, an einem Tag mit dem Rennrad von Flohs Heimat Papstorf (östlich von Dresden nahe der Tschechischen Grenze) in meine Heimat Nieste, bei Kassel zu fahren. Dabei mussten ziemlich genau 400 Kilometer und 2850 Höhenmeter überwunden werden. Unterstüzt wurden Floh und Ich anfangs von Andrei Krämer und auf den letzten Kilometern von Lucca Blumenstein. -> Das Video zur Tour

unsere Route mit Höhenprofil

Unsere Route mit Höhenprofil (zum vergrößern anklicken)

Die Vorbereitungen begannen aber bereits einen Tag vor Abfahrt. Mit dem Zug bin ich nach Dresden gefahren, wo ich mich mit Floh getroffen habe. Als „Warm-up“ für die am nächsten Tag anstehende Tour sind wir am späten Nachmittag noch einen Sprint Orientierungslauf der Dresdner Sprintserie von ca. 4km gelaufen. Direkt im Anschluss ging es ab in den Supermarkt, um mit Müsliriegeln und Schokolade sich für den nächsten Tag zu wappnen. Um sich etwas auf dem Rad einzufahren sind wir letzten Kilometer in Flohs Heimat Papstdorf auch nochmal mit dem Rad gefahren. Dort angekommen wurden die Rennräder nochmal komplett gecheckt und präpariert. Anschließend ging es daran die Strecke genauestens zu planen und Massen an Nudeln zu verschlingen 😉

2:10 Uhr - Abfahrt in Papstdorf

2:10 Uhr – Abfahrt in Papstdorf

Die Aufregung stieg langsam und als wir gegen Mitternacht ins Bett wollten fiel es uns sehr schwer einzuschlafen. Und kaum waren wir eingeschlafen, klingelte auch schon wieder der Wecker. Es war 1:40 Uhr als mein Wecker losging. Die Aufregung aber auch die Freude auf dieses Abenteuer war groß. 20Min. Hatten wir geplant um die restlichen Nudeln vom Vorabend noch aufzuessen und sich nochmal bis aufs letzte vorzubereiten. Nach nicht einmal 2 Stunden Schlaf verließen wir das Haus und um 2:10 Uhr klackten die Radschuhe in die Pedalen und es ging endlich los. Es fühlte sich wunderbar an mitten in der Nacht durch die Wälder der sächsischen Schweiz zu fahren. Kein Mensch weit und breit und wir waren fest von unserem Erfolg überzeugt.

Die ersten Kilometer vergingen wie im Flug und abgesehen davon, dass Floh eine Katze überfahren hat, kamen wir Problemlos in Dresden an. Nach den ersten Müsliriegeln ging es immer noch in der Nacht durch Dresden. Ab hier unterstützte uns Andrei Krämer, der für die nächsten Kilometer für Windschatten gesorgt hat. Viele Dank dafür! 😉

Floh bei der Müsliriegelpause in Meißen

Floh bei der Müsliriegelpause in Meißen

Das Tempo war weiterhin bei einem Schnitt von 30 km/h und somit kamen wir recht schnell noch bei Dämmerung in Meißen an. Andrei begleitete uns noch weiter bis in den Ort Oschatz wo dann die Sonne schon am Aufgehen war. Zeit also für ein kleines erstes Frühstück und voller Überzeugung auf den Erfolg ging es nun leider ohne Andrei weiter Richtung Westen.
Die nächste Station hieß Leipzig. Das Wetter hielt sich noch gut, abgesehen von dem ständigem Gegenwind. Unsere Beine fühlten sich locker an und wir waren weitaus besser im Zeitplan als gedacht. Allerdings muss man zugeben, dass die Strecke nach Leipzig der langweiligste und hässlichste Abschnitt war.

Andrei führt uns in den Sonnenaufgang

Andrei führt uns in den Sonnenaufgang

Eine B6 mit vielen LKWs so lange zu fahren macht echt keinen Spaß. Dank Nawi haben wir einen ziemlich direkten und schnellen weg durch Leipzig gefunden und es konnte direkt weiter gehen.
Eine erste größere Pause gab es dann in Merseburg. Knappe 200 Kilometer waren gefahren und es war noch lange hin bis zum Mittag. Da wir bis hierhin einen knappen 30er Schnitt gehalten haben, spekulierten wir darauf, dass unsere Ankunft in Nieste vermutlich gegen 17 oder spätestens 18 Uhr werden würde – Doch dem war nicht so. Als wir in Merseburg losfahren wollten, stellte ich fest, dass mein Portmonee weg war. Auch nachdem wir den kompletten Supermarkt in Merseburg abgesucht hatten, hatten wir ncihts gefunden. Später stellte sich nach einem Anruf der Polizei herraus, dass es mir geklaut wurde und mein Geld weg war. Lediglich meine Versichertenkarte und andere Karten tauchten wieder auf.

ein kleiner und letzter Moment Sonnenschein in Merseburg

ein kleiner und letzter Moment Sonnenschein in Merseburg

Regen und starker Gegenwind machten uns die Tour sehr schwer

Regen und starker Gegenwind machten uns die Tour sehr schwer

So gut es in der ersten Hälfte lief, umso schlechter lief es in der zweiten Hälfte. Grund dafür ist, dass es plötzlich anfing in Strömen zu regnen, der Gegenwind extrem stark wurde, die Berge immer höher und unsere Beine immer müder.

Neben diesen ganzen Problemen kam noch dazu, dass unsere Navigation versagte und wir mit den Rennrädern nun auf Feld und groben Schotterwegen nur schwerlich voran kamen. Eine Tiefpunkt nach dem anderen und aus den einst zu überzeugten Gesichtern sah man gequälte Gesichtszüge die immer wieder auf die Uhr schauten und mit ansahen wie die Zeit so plötzlich fortschritt. Aus den 15min. Esspausen alle 70km am Anfang wurden nun 30-45min. Pausen alle 30km. Dazukam bei mir eine mächtige Unterzuckerung, die dann dank 1,5 Litern Cola wieder gestoppt werden konnte. Etwas zu viel Cola bekam allerdings Floh der nun begann über Sodbrennen zu klagen. Den Absoluten Tiefpunkt erreichten wir mit der Abenddämmerung. Kurz vor dem Ort Worbis bei km 330 setzten bei mir heftige Knieschmerzen ein. Ich musste augenblicklich stoppen und war kurz davor meine Schwester Lucca anzurufen uns abzuholen.

Gesichter voller zuversicht ;-)

Gesichter voller zuversicht 😉

Floh „schleppte“ mich noch bis in den nächsten Supermarkt in Worbis wo wir uns kurz aufwärmen konnten. Obwohl Temperaturen von ca. 15 Grad herrschten waren wir durch die komplett durchnässten Klamotten durch gefroren. Ich nahm mir vor den Berg bis Leinefelde noch herab zu rollen und dort zu entscheiden ob ich weiter fahre – große Hoffnung hatte ich nicht mehr. In Leinefelde angekommen wurde es langsam Dunkel und der Blick auf die Karte verriet, dass noch 50 km und ein ziemlich heftiger Berg zu fahren war. Ich rief Lucca an um ihr zu sagen wo wir sind. Am Telefon sagte ich nur durch, dass wir versuchen gegen 23 Uhr Witzenhausen zu erreichen und wenn wir es schaffen, würden wir uns freuen wenn sie dort an der Werrabrücke mit Essen, Trinken, trockenen und warmen Klamotten, stehen würde. Uns abholen lassen können wir immer noch, aber als ich merkte, dass wenn ich das rechte Knie stärker belaste, die Scherzen im linken besser sind, beschlossen wir trotz Schmerzen, Sodbrennen, Regen, Wind und Kälte weiterzufahren. Und kaum traten wir in die Pedalen wurde klar – Aufgeben kam jetzt nicht mehr in Frage!

Wir hielten das Tempo sehr niedrig und machten regelmäßig aber dafür relativ kurze Pausen. Das Knie ging immer besser aber Flohs Sodbrennen wurden immer schlimmer. Doch dann sahen wir die ersten Schilder -> „Witzenhausen 20 km“. Nun war klar, wir werden es schaffen.

Werrabrücke in Witzenhausen

Lucca Verpflegt uns in Witzenhausen

Witzenhausen kam gegen kurz nach 23 Uhr, Lucca stand mit Bananen, trinken und warmen Klamotten auf der Werrabrücke. Obwohl der größte Berg noch anstand, waren wir mental schon in Nieste. Mit Luccas Unterstützung quälten wir uns über Kleinalmerode den Umschwang hoch und oben angekommen genossen wir nur noch die Abfahrt bis zu unserem Haus direkt in Nieste. 23:40 war es als Floh und ich vom Rad stiegen, es bei uns in den Keller schoben und es am liebsten nie wieder anrühren wollten. Dann nahm jeder eine heiße Dusche wobei ich nur den Kopf an die Wand lehnte und beinahe im Stehen einschlief.
Im Bett dauerte es nur wenige Sekunden bis wir in einen Tiefen und festen Schlaf gefallen sind. Dieser Schlaf hielt an, bis uns Lucca um 13 Uhr zum Mittagessen weckte. Verschlafen genossen wir das Essen und merkten wie wir jeden Muskel im Körper noch von der Tour spürten. Es war Zeit den Rest des Tages in der Kassler Kurhessen Therme zu verbringen. Und somit ging unser Abenteuer mit einem nach dem anderen Saunagang zu Ende. -> ein Video zu unserer Radtour gibt es hier ! Lohnt sich 😉

Zwei Wochen später waren meine Knieschmerzen komplett weg. Lediglich ein andauerndes Taubheitsgefühl in den Fußzehen habe ich von der Tour davon getragen. Nun werde ich meine letzten tage in Deutschland genießen und freue mich bereits auf den Umzug nach Norwegen 🙂

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Kategorien: Urlaub und Ausflüge | 3 Kommentare

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3 Gedanken zu „Ein Tag – 400km auf dem Rad !

  1. Rappi

    Richtig geil, will ich auch 😀

  2. Joa, sowas wür

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